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IHK AP2 Fachinformatiker Daten- und Prozessanalyse

LF 12: Datenvisualisierung & BI-Dashboard-Design

Gestaltgesetze, Diagrammauswahl, Barrierefreiheit, Power BI / Tableau & Tufte-Prinzipien

📚 Fachwissen & IHK-Prüfungsrelevanz

Erkenntnisse aus Daten müssen für Stakeholder und das Management intuitiv und verzerrungsfrei visualisiert werden. Eine fehlerhafte Diagrammauswahl führt zu Fehlentscheidungen.

1. Diagrammtypen & Einsatzzwecke nach IBCS

DiagrammtypOptimaler EinsatzzweckTypischer Fehler
Balkendiagramm (horizontal)Rangfolgen und Vergleiche von Kategorien (viele oder lange Namen).Nicht sortierte Balken, unruhige Achsenskalierung.
Säulendiagramm (vertikal)Zeitreihen (Monate, Quartale, Jahre) mit wenigen Intervallen.Achsenabschnitt beginnt nicht bei Null (Verzerrung!).
LiniendiagrammKontinuierliche Verläufe, Trends über kontinuierliche Zeitachsen.Einsatz für diskrete, ungeordnete Kategorien.
Streudiagramm (Scatter Plot)Korrelationen und Beziehungen zwischen zwei metrischen Variablen.Verwechslung von Korrelation mit Kausalität.
BoxplotVerteilungen, Mediane, Quartile und Ausreißer mehrerer Gruppen.Wenig bekannt bei Fachbereichs-Usern.
Kreisdiagramm (Pie Chart)Maximal 2 bis 3 Anteile am Ganzen (100 %).Mehr als 5 Segmente, 3D-Verzerrungen (IHK-No-Go!).

2. Gestaltungsregeln nach Edward Tufte

  • Data-Ink-Ratio maximieren: Entfernung von dekorativem 'Chartjunk' (unnötige 3D-Effekte, schwere Gitterlinien, Zierrahmen).
  • Lie Factor minimieren: Die visuelle Proportion im Diagramm muss der numerischen Proportion der Daten exakt entsprechen.
  • Barrierefreiheit: Berücksichtigung von Kontrasten und Vermeidung reiner Rot/Grün-Kennzeichnungen (Rot-Grün-Sehschwäche).

📝 Original-Prüfungsaufgaben (ZPA Nord-West)

Business Intelligence: Visualisierung & Dashboard-Design 8 Punkte
Die Geschäftsführung wünscht ein operatives Vertriebs-Dashboard. Ein Junior-Analyst hat hierfür 3D-Kreisdiagramme mit 15 Segmenten und auffälligen Ampelfarben (Rot/Grün) ohne Beschriftung erstellt.

a) Kritisieren Sie den Entwurf des Analysten anhand von zwei ergonomischen Grundsätzen (z.B. Barrierefreiheit, Gestaltgesetze). b) Welcher Diagrammtyp eignet sich besser, um Umsatzanteile von 15 Produktkategorien darzustellen? Begründen Sie Ihre Wahl. c) Was versteht man unter dem Begriff 'Data-Ink-Ratio' nach Edward Tufte?

💡 Offizieller IHK-Erwartungshorizont & Punkteverteilung
a) 1. Kreisdiagramme mit 15 Segmenten überfordern das menschliche Auge (Winkel und Flächen können kognitiv schlecht verglichen werden; 3D-Effekte verzerren Proportionen zusätzlich). 2. Reine Rot/Grün-Farbkodierung schließt Menschen mit Rot-Grün-Sehschwäche aus (mangelnde Barrierefreiheit). b) Ein horizontales Balkendiagramm (Bar Chart), absteigend nach Umsatz sortiert. Kategorienamen sind horizontal lesbar, und Balkenlängen lassen sich vom menschlichen Gehirn präzise und mühelos vergleichen. c) Das Verhältnis von nützlicher Tinte (Data-Ink), die echte Dateninformationen übermittelt, zur gesamten Druck-/Pixelmenge. Ziel ist die Maximierung der Data-Ink-Ratio durch Entfernen redundanter Dekorationen (3D-Effekte, unnötige Gitterlinien, Zierrahmen).